Politbarometer: AfD erstmals stärkste Kraft vor der Union

Erstmals liegt die AfD in der Projektion vor der CDU/CSU. Während die Union verliert, stürzt die SPD auf ein Rekordtief. Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung erreicht einen neuen Höchststand.

BERLIN – Trotz der jüngst angekündigten Reformvorhaben der Bundesregierung bleibt die Zustimmung für die Koalitionsparteien auf einem kritischen Stand. Laut der aktuellen Politbarometer-Projektion der Forschungsgruppe Wahlen (FGW) ergibt sich ein historisches Bild in der deutschen Parteienlandschaft: Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, würde die Alternative für Deutschland (AfD) mit 26 Prozent (unverändert) stärkste Kraft werden und damit erstmals vor der Union liegen. Die Christlich Demokratische Union/Christlich Soziale Union (CDU/CSU) verschlechtert sich um einen Prozentpunkt auf 25 Prozent.

Historisches Tief für die Sozialdemokraten

Besonders dramatisch stellt sich die Lage für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) dar. Die Kanzlerpartei verliert erneut einen Punkt und erreicht mit lediglich 12 Prozent ihren bisherigen Tiefstwert. Die Grünen kommen auf 14 Prozent (minus 1), während die Linke leicht auf 11 Prozent (plus 1) zulegen kann. Die Freie Demokratische Partei (FDP), die zuletzt aufgrund geringer Nennungen oft nicht einzeln ausgewiesen wurde, liegt stabil bei 3 Prozent. Die restlichen Parteien kommen zusammen auf 9 Prozent. In dieser Konstellation hätte das aktuelle Bündnis aus Union und SPD (Schwarz-Rot) keine parlamentarische Mehrheit.

Vertrauensverlust für Kanzler Friedrich Merz und das Kabinett

Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung ist auf ein Rekordtief gesunken. Nur noch 27 Prozent der Befragten äußerten sich positiv über die Regierungsleistung, während 63 Prozent ein schlechtes Zeugnis ausstellten. Besonders auffällig ist die Einschätzung der internen Zusammenarbeit: Nur 18 Prozent der Wahlberechtigten bezeichnen die Kooperation innerhalb der Koalition als gut.

AfD erstmals stärkste Kraft vor der Union
Projektion: Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre … Foto: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz steht unter erheblichem Druck. Seine persönlichen Beliebtheitswerte sanken auf der Skala von +5 bis -5 auf einen Durchschnittswert von minus 1,1 – sein bisher schlechtestes Ergebnis. Lediglich 30 Prozent bescheinigen ihm eine gute Arbeit, während 65 Prozent unzufrieden sind. Auch wichtige Kabinettsmitglieder wie Finanzminister Lars Klingbeil (minus 0,4) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (minus 1,6) verzeichnen negative Bewertungen. Einziger Lichtblick bleibt Verteidigungsminister Boris Pistorius, der mit einem Wert von 1,7 weiterhin die Liste der beliebtesten Politiker anführt.

Skepsis gegenüber dem Tankrabatt und der Energiepolitik

Die von der Regierung geplante Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel („Tankrabatt“) stößt auf geteilte Meinungen. Zwar befürworten 47 Prozent die Maßnahme, doch bestehen massive Zweifel an der Umsetzung: 91 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Mineralölkonzerne die Entlastung von 17 Cent pro Liter vollständig an die Verbraucher weitergeben werden.

In der allgemeinen Energiepolitik fordern die Bürger mehr Tempo. Für 57 Prozent der Befragten kommt die Energiewende in Deutschland zu langsam voran. Besonders unter den Wählern unter 35 Jahren ist diese Kritik mit 67 Prozent ausgeprägt. Insgesamt sind 81 Prozent der Meinung, dass die Regierung zu wenig gegen die steigenden Energiepreise unternimmt.

Außenpolitik: Iran-Konflikt und Kurswechsel in Ungarn

Mit Blick auf das internationale Geschehen zeigt sich die deutsche Bevölkerung besorgt. Eine überwältigende Mehrheit von 87 Prozent rechnet nicht mit einem schnellen Ende des Krieges gegen den Iran. Eine militärische Beteiligung Deutschlands, wie sie von US-Präsident Donald Trump gefordert wurde, lehnen 93 Prozent der Befragten kategorisch ab.

Positive Erwartungen gibt es hingegen nach der Parlamentswahl in Ungarn. Da die Partei des langjährigen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verloren hat, erhoffen sich 74 Prozent eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union (EU). 60 Prozent gehen davon aus, dass die internationale Position der EU ohne Orbán gestärkt wird.

Die Daten für das Politbarometer wurden zwischen dem 14. und 16. April 2026 durch die Forschungsgruppe Wahlen erhoben. Befragt wurden 1.355 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

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