HALLE – Die bundesweit bekannte Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich ist am Donnerstag von der tschechischen Polizei festgenommen worden. Dies bestätigte der leitende Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der Mitteldeutschen Zeitung (MZ). Der Zugriff in der tschechischen Stadt Luby (Schönbach) erfolgte in enger Kooperation zwischen der Polizeidirektion Halle und den tschechischen Behörden.
Festnahme in Tarnung nach monatelanger Fahndung
Liebich, die seit Ende August 2025 per Haftbefehl gesucht wurde, versuchte offenbar, ihre Identität zu verschleiern. Nach Informationen der MZ trug sie zum Zeitpunkt ihrer Festnahme Männerkleidung und hatte sich den Kopf kahl rasiert.
Die Staatsanwaltschaft und die Polizei hatten intensiv nach der Untergetauchten gefahndet, nachdem sie ihre fällige Haftstrafe nicht angetreten hatte. Die Behörden bereiten nun die notwendigen Schritte für eine zügige Auslieferung nach Deutschland vor.
Juristische Vorgeschichte und Identitätswechsel
Der Fall Liebich sorgte bereits in der Vergangenheit für erhebliches öffentliches Aufsehen. Im Juli 2023 war sie – damals noch unter dem Namen Sven Liebich – vom Amtsgericht (AG) Halle wegen folgender Delikte verurteilt worden:
- Volksverhetzung
- Übler Nachrede
- Beleidigung
Das Gericht verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Seit Januar 2025 gilt Liebich rechtlich als Frau. Aufgrund dieser Personenstandsänderung war vorgesehen, dass sie ihre Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Chemnitz, einem Frauengefängnis, antritt.
Unklarheit über künftigen Haftort
Da Liebich zum festgesetzten Termin im vergangenen Jahr nicht in der JVA Chemnitz erschien, begann die Flucht, die nun in Tschechien endete. Wo genau die Rechtsextremistin nach ihrer Überstellung nach Deutschland inhaftiert wird, ist derzeit noch Gegenstand der Prüfung. Die Staatsanwaltschaft Halle untersucht, welche Vollzugsanstalt unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Falles und der Sicherheitsaspekte geeignet ist.
Liebich gilt seit Jahren als eine der zentralen Figuren der rechtsextremen Szene in Sachsen-Anhalt und ist durch zahlreiche provokante Aktionen und juristische Auseinandersetzungen bekannt.
