Frauen in Deutschland: Finanzielle Freiheit oft nur Theorie

Trotz eigenem Gehalt fühlt sich jede sechste berufstätige Frau in Deutschland finanziell unfrei. Eine Consors Finanz Studie analysiert nun die tiefen Ursachen.

BERLIN – Wer ein eigenes Einkommen bezieht, gilt gemeinhin als finanziell unabhängig. Doch die Realität für viele Frauen in Deutschland weicht deutlich von dieser Annahme ab. Laut einer aktuellen Untersuchung von Consors Finanz fühlen sich 16,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen trotz festem Gehalt finanziell nicht frei. Die Gründe hierfür liegen nicht allein in der Höhe des Verdienstes, sondern in strukturellen Wissenslücken, fehlender Absicherung und einem gesellschaftlichen Stigma, das offene Gespräche über Geld erschwert.

Finanzielle Belastung trifft besonders junge Frauen

Die Studie verdeutlicht ein signifikantes Gefälle zwischen den Geschlechtern: Während 18,6 Prozent der Männer angeben, dass ihre finanzielle Situation sie belastet, liegt dieser Wert bei den Frauen mit 24,8 Prozent deutlich höher. Besonders besorgniserregend ist die Lage in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen, in der fast jede dritte Frau (32,7 Prozent) unter finanziellem Druck steht. Auch die 30- bis 39-Jährigen sind stark betroffen. In dieser Lebensphase führen oft die Kombination aus Familiengründung, steigenden Lebenshaltungskosten und ersten großen Investitionen zu einer Überforderung, die sich auch in der Nutzung von Dispositionskrediten (Dispokredit) widerspiegelt.

Prokrastination bei Vorsorge und Geldanlage

Ein zentrales Hindernis für die finanzielle Selbstbestimmung ist das aktive Meiden von Finanzthemen. Knapp 16,6 Prozent der befragten Frauen schieben Fragen zur Altersvorsorge, Geldanlage oder Steuern vor sich her. Bei den jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren ist dieses Muster der Prokrastination mit 37,1 Prozent besonders stark ausgeprägt. Astrid Drechsel-Grau, Chief Strategy & Engagement Officer bei Consors Finanz, sieht hier einen klaren Handlungsbedarf: „Junge Frauen meiden Finanzthemen nicht aus Desinteresse, sondern aus Unsicherheit.“ Viele wünschten sich klare Schritt-für-Schritt-Anleitungen statt komplexer Fachsprache.

Fehlender Notgroschen erhöht das Armutsrisiko

Die finanzielle Absicherung für Krisenzeiten ist lückenhaft. Nur 38,9 Prozent der befragten Frauen verfügen über einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben. Besonders prekär ist die Situation in einkommensschwachen Haushalten mit einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro: Hier haben lediglich 13 Prozent eine Rücklage gebildet. Da Frauen aufgrund des sogenannten Gender Pay Gaps (GPG) – der statistischen Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – sowie häufigerer Teilzeitarbeit ohnehin geringere Einkommen erzielen, trifft sie das Fehlen eines Notgroschens überproportional hart.

Frauen in Deutschland: Finanzielle Freiheit oft nur Theorie
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick (Quelle: Consors Finanz) / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/78451 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Digitale Tools als ungenutzte Chance

Obwohl digitale Anwendungen den Einstieg in die Finanzplanung erleichtern könnten, werden sie von Frauen seltener genutzt als von Männern. Während knapp 20 Prozent der Männer auf Apps oder Plattformen zur Finanzverwaltung setzen, sind es bei den Frauen nur 12,4 Prozent. Kredite werden zudem primär für Konsumgüter wie Autos oder Immobilien in Betracht gezogen. Investitionen in die eigene Aus- und Weiterbildung oder eine geplante Selbstständigkeit spielen eine untergeordnete Rolle, obwohl gerade diese Maßnahmen die langfristige wirtschaftliche Unabhängigkeit stärken könnten.

Scham verhindert offene Gespräche über Finanzen

Ein wesentliches kulturelles Problem bleibt das Schweigen über Geld. Etwa 28,2 Prozent der Frauen fällt es schwer, offen über finanzielle Probleme zu sprechen. Ein Viertel empfindet sogar Scham beim Einsatz von Ratenkäufen oder bei einer Kontoüberziehung. Experten raten dringend dazu, dieses Stigma zu brechen. Offenheit im privaten Umfeld und in der Partnerschaft schaffe Wissen und erhöhe die Entscheidungssicherheit. Laut der Studie von Consors Finanz, die im Februar 2026 unter 1.005 Personen in Zusammenarbeit mit Nielsen IQ durchgeführt wurde, ist eine gezielte, schamfreie Kommunikation der Schlüssel zu mehr finanzieller Gleichstellung.

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